Petition des Spanisch-Kurses an der VHS an die Mülheimer Politik

Jede/r Mitstreiter/in für den Erhalt
unserer Volkshochschule und

der gesamten MüGa ist herzlich willkommen!

Im folgenden eine Petition des Spanisch-Kurses an der VHS an die Mülheimer Politik. Diesem sehr deutlichen Brief zu der unglaublichen Geschichte der Mülheimer VHS-Zukunft ist nichts hinzuzufügen.

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VHS Mülheim an der Ruhr, den 31.10.2014

An die
Oberbürgermeisterin
der Stadt Mülheim an der Ruhr
Frau Dagmar Mühlenfeld
Am Rathaus 1
45468 Mülheim an der Ruhr

Betr.: Antrag der Stadt auf Abriss der VHS

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

überall im Lande hören wir von Protestaktionen gegen Entscheidungen und Maßnahmen der Politik, die bei genauem Hinschauen vorrangig persönliche Interessen erkennen lassen und deshalb bei vielen von uns oft nur Kopfschütteln und Verständnislosigkeit hervorrufen. Angesichts dessen aber, was dem Leser der Mülheimer Lokalpresse mit dem oben bezeichneten Artikel vorgelegt wird, sind wir als langjährige VHS-Teilnehmer und unmittelbar Betroffene geradezu empört.

Es ist erschütternd, wie bedenkenlos die Politik die Müga und damit den Standort der Volkshochschule Mülheim, ein für viele zur geistigen Heimat gewordenes Kulturgut, als eine unter mehreren Bewerbungsmöglichkeiten für die Ansiedlung der Sparkassenakademie zur Verfügung stellt.
Es verschlägt uns geradezu die Sprache, dass dieser Standort von der Stadt sogar präferiert wird, indem der Antrag zum Abriss der VHS bereits gestellt ist, nur um die gewünschte Ansiedlung der Sparkassenakademie dort nicht zu gefährden.

Es wird hier in erschreckender Weise deutlich, wie das Heimatgefühl des Bürgers, seine Identifizierung mit lieb gewonnenen Wahrzeichen seiner Stadt im Kampf der Politik um wirtschaftliche Vorteile ignoriert werden. Es macht zornig, sich damit abfinden zu müssen, wie die längst überfällige aber bis heute versäumte Sanierung unserer VHS jetzt gegebener Anlass, das Grundstück der Müga im Falle eines Zuschlags zu veräußern und sich somit des Problems der Sanierung des Gebäudes zu entledigen. Es befremdet, wie selbstverständlich man die Frage des Denkmalschutzes relativiert, ja gar für überflüssig hält mit dem Argument ähnlicher architektonischer Bauweise bei anderen öffentlichen Gebäuden in den 70er-Jahren. Zudem stößt es auf absolutes Unverständnis, dass mit dem aktuellen Antrag zum Abriss der VHS dem Amt für Denkmalschutz jegliche Möglichkeit genommen wird, die Frage des Bestandschutzes zu prüfen.

Es befremdet weiterhin, dass die Stadt kein Konzept hat, wo der Lehrbetrieb später wieder aufgenommen werden kann, man aber gleichzeitig unrealistisch und spekulativ mit Zahlen operiert, die die Kosten betreffen für Sanierung, Abriss, Verlegung, eventuelle Neuerrichtung eines VHS-Gebäudes sowie für zukünftige Unterhaltsaufwendungen. Wir haben hier ein treffliches Beispiel für das so typische Verhalten der Politik, den Augenblick zu nutzen, Tatsachen zu schaffen, den Folgen für die Betroffenen jedoch keinerlei Beachtung zu schenken und notwendige, transparente Schritte zur Lösung der entstandenen Situation den Verantwortlichen der nächsten Amtsperiode zu überlassen.

Wir möchten betonen, dass wir bei all dem die Berücksichtigung des Bürgerwillens vermissen, dabei insbesondere die Berücksichtigung der Interessen der vielfältigen VHS–Teilnehmerschaft, welche mehrheitlich die Beibehaltung der zentralen VHS wünscht.
Eine Einbeziehung der unmittelbar Betroffenen hätte die Emotionen der VHS–Teilnehmer wie auch die der Öffentlichkeit in Grenzen gehalten, hätte die Bürger im Falle eines Umfrageergebnisses für den Erhalt der VHS mit großer Wahrscheinlichkeit auch zu finanziellen Opfern motiviert.

Die Politik sollte sich wieder vor Augen führen, dass für uns alle, Schüler und Lehrer der VHS, dieses Gebäude nicht nur Stätte des Lernens und der Bildung ist sondern auch Stätte der Kommunikation, des Austauschs von Lebenserfahrung, Quelle und Pflege von Beziehungen und Freundschaften, dass mit dem Abriss dieser Stätte ein Teil der hier erfahrenen Geborgenheit verloren geht, dass das vertraute menschliche Umfeld Bruchstellen erleidet bis hin zum eventuellen Verlust auch von Lehrpersonal, dass wir schließlich allein gelassen werden ohne konkrete Zusage, wie und wann uns zurückgegeben wird, was wir hier verlieren würden.

Wir appellieren daher mit Nachdruck an Sie und alle Entscheidungsträger unserer Stadt Mülheim an der Ruhr, die bereits getroffenen Vorentscheidungen nicht nur nochmals zu überprüfen, sondern im Interesse der Bürger rückgängig zu machen.
Wir fordern Sie als gewählte Volksvertreterin der Mülheimer Bürger auf, die Volkshochschule unbedingt an ihrem jetzigen Standort zu belassen und die Kosten für eine zweifellos erforderliche Sanierung des Gebäudes auf eine realistische Basis zu stellen und nicht – wie bisher geschehen – mit vagen Schätzwerten der Sanierungskosten einen Abriss des gesamten Gebäudes rechtfertigen zu wollen. Denkbar wäre sicher auch eine sukzessive Sanierung über mehrere Jahre verteilt, was den Lernbetrieb weniger beeinträchtigen und den jeweiligen Jahreshaushalt der Stadt entlasten würde.

Zweifellos wäre es begrüßenswert, wenn die zukünftige Sparkassen-Akademie ihren Standort in Mülheim an der Ruhr hätte, nicht jedoch zu dem Preis, der die Lebensqualität der Mülheimer Bürger erneut erheblich beeinträchtigen würde.

Kopien dieses Briefes erhalten zur Kenntnisnahme:
– die VHS Mülheim, Herr Klippel
– der Förderverein der VHS Mülheim, Frau Sibylle Wellfonder
– die Fraktionen im Rat der Stadt Mülheim an der Ruhr
– die Parteien in der Stadt Mülheim an der Ruhr
– die Mülheimer Lokalmedien: WAZ / NRZ / Mülheimer Wochen / Radio Mülheim
– die Sparkassen-Akademie Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf und Münster

Mit freundlichen Grüßen,
die Teilnehmer/innen des VHS-Kurses

Teilnehmer/innen des VHS-Kurses